Ausgabe 232, START Arbeitgeber im Portrait und Events & Awards

ROLLING PIN Selbsttest: Surströmming extreme!

Surströmming extreme! Chefredakteur Bernhard Leitner riskiert Kopf, Kragen und Gesundheit beim Testen des legendären skandinavischen Gammelfischs aus der unscheinbaren goldenen Dose.

Fotos: Monika Reiter

Nicht alles gold, was glänzt

Wenn dir dein Chef mit einem Lächeln im Gesicht eine goldene Dose mit der Aufschrift „Oskars Surströmming“ in die Hand drückt, sag nicht vorschnell Danke. Das müssen gutgläubige Idioten wie ich stets auf die harte Tour lernen. Macht nichts, denn wie heißt’s so schön: „Was nicht tötet, das macht hart!“ Für alle Gourmets da draußen, die denken, unter Surströmming versteht man eine schwedische Bierbong-Challenge, wird kurz erklärt, worum es hier geht. Surströmming diente in Nordschweden Bauern als Alltagsnahrung und Proviant in harten Zeiten.

Der fragwürdige Leckerbissen wird aus laichreifen Ostseeheringen hergestellt. Er wird in Salzlake eingelegt, wo er fröhlich vor sich hin reifen kann, bis sich buchstäblich die Dose biegt. Traditionell wird der Gammelfisch mit einer Scheibe Tunnbröd (Fladenbrot), Mandelkartoffeln, Butter, gehackten Zwiebeln, saurer Sahne und Tomaten verspeist. Dazu gibt’s kalte Milch, Aquavit oder Bier – in meinem Fall mit jeder Menge Hochprozentigem. Ein Profitipp vorweg: unbedingt im Freien öffnen und verzehren. Ansonsten riskiert man eine blitzschnelle Gebäudeevakuierung.

Nichts für schwache Nerven

Bewaffnet mit Dosenöffner, Gabel, Taucherbrille und Gourmet-Latz wage ich mich an die unscheinbare Dose. „So schlimm kann’s ja nicht sein“, red ich mir ein und öffne das gute Stück. Ich schwöre, der Dosendeckel war noch keine zwei Millimeter offen und eine Duftwolke aus faulen Eiern, Erbrochenem und Schwefel stieg mir in die Nase, dass es einem die Tränen aus den Augen drückt. Gefolgt wird das Aromenspektakel von einem unüberwindbaren Brechreiz, der einen dazu zwingt, einen großen Sicherheitsabstand zur Dose zu nehmen.

Das müssen gutgläubige Idioten wie ich stets auf die harte Tour lernen.

ROLLING PIN-Chefredakteur Bernhard Leitner stellt sich der Herausforderung seines Lebens: Surströmming extreme – der skandinavische Gammelfisch im Test!

Nach ein paar neutralen Luftzügen wage ich mich wieder an den Fisch ran, reiß die Dose auf und genehmig mir, während ich die Luft anhalte, einen Bissen der skandinavischen Delikatesse. Es lässt sich kaum in Worte fassen, was einen in diesem Moment für ein Gefühl überkommt. Festival-Toilette gepaart mit frisch geschissenen Babywindeln und einem Hauch Biotonne besetzen den Gaumen und man würde sich am liebsten den Rachen nach außen stülpen. Mein ganzes Leben zieht an mir vorbei und ich sehe einen wunderschönen Engel.

Doch dann kommt, was kommen musste. Nicht der Rachen, aber dafür der Magen zieht die Reißleine und stülpt sich ohne Vorwarnung nach außen. Was bleibt, sind ein Trauma und eine ROLLING PIN-Videoabteilung, die sich vor Lachen kaum halten kann. Denn zum Glück haben wir diesen Moment für die Ewigkeit aufgenommen. 

Zu Recht verboten

Es ist mir heute kaum verwunderlich, dass Surströmming bei einigen Airlines verboten wurde. Offiziell wegen Explosionsgefahr der gärenden Dose. In Wahrheit wäre es aber ein hollywoodreifer Horror-Blockbuster, wenn ein Passagier auf einem Langstreckenflug so eine Dose öffnen würde. Kaum vorstellbar, dass sich Schweden dieses Teufelszeug freiwillig reinziehen und diese Dosen überhaupt produziert werden dürfen. Selbst die härteste Gang der Welt hätte keine Mitglieder, wäre Surströmming extreme die Aufnahmeprüfung. Wenn ihr diese goldene Dose mit rotem Logo und weißer Schrift irgendwo entdeckt, tut euch selbst einen Gefallen und rennt um euer Leben!

21.01.2019