Heiko Antoniewicz: “Frauen an den Herd!”
Hast du die Diskussion um die erste Bundesliga-Trainerin einer Männer-Fußballmannschaft mitbekommen? Wieviel Sexismus da an die Oberfläche geschwappt ist, hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Vor Wut – über uns als Gesellschaft. Und unweigerlich musste ich an unsere eigene Branche denken. Wir in der Gastronomie tun derzeit so, als müssten wir jedes Jahr neu darüber debattieren, ob Frauen in der Gastroküche nun „auch dürfen“.

Hast du die Diskussion um die erste Bundesliga-Trainerin einer Männer-Fußballmannschaft mitbekommen? Wieviel Sexismus da an die Oberfläche geschwappt ist, hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Vor Wut – über uns als Gesellschaft. Und unweigerlich musste ich an unsere eigene Branche denken. Wir in der Gastronomie tun derzeit so, als müssten wir jedes Jahr neu darüber debattieren, ob Frauen in der Gastroküche nun „auch dürfen“.

Das ist absurd. Frauen müssen nicht erobern, was ihnen zusteht. Sie gehören in Küchenleitungen, an den Pass, in Führungsrollen, in Entwicklung und Verantwortung. Nicht als Quote fürs Gewissen, sondern weil Betriebe nur dann wirklich gut werden, wenn sie alle Talente nutzen, die sie haben. Wenn sie die Vielfalt nutzen, die sie haben. Wer heute noch so tut, als sei die Profiküche ein Männerclub mit gelegentlicher Ausnahme, hat nicht verstanden, wie moderne Gastronomie funktioniert. Es geht dort nicht nur um Messer, Hitze und Tempo.
Es geht um Kommunikation, Präzision, Nervenstärke, Teamführung und Kreativität unter Druck. Und genau da sind gemischte Teams kein „nice to have“, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil. Wer das nicht erkennt, verschenkt Potenzial. Punkt. Umso wichtiger sind Zeichen, die nicht nur gut klingen, sondern sichtbar sind. Dass das Bekleidungsunternehmen Weitblick als erster Hersteller nun ein Kochkleid auf den Markt bringt, ist deshalb mehr als eine nette Randnotiz.
Es ist ein Statement. Endlich ein Unternehmen, das nicht nur über Gleichberechtigung spricht, sondern sie auch im Alltag mitdenkt. Und genau daran scheitern ja so viele: große Worte, kleine Taten. Empörung in den Kommentaren, aber keine Veränderung im Betrieb. Diskutiert wird endlos. Gehandelt wird zu selten.
Ich habe genug von dieser Dauerschleife aus Quotendebatte, Rechtfertigung und Empfindlichkeiten. Frauenquote? Ehrlich gesagt: einfach machen! Wir reden seit Jahren über Selbstverständlichkeiten, als wären sie politische Großprojekte. Dabei wäre es so simpel: Sich gegenseitig stützen, stärken, ernst nehmen – egal ob Mann oder Frau. Nach Können, Möglichkeiten und Notwendigkeiten. Fertig. Keine Heldengeschichte. Kein Sonderlob.
Einfach gesunder Menschenverstand. Und ja, auch wir Männer sind hier gefragt. Nicht als gallige Verteidiger alter Strukturen, sondern als Mitverantwortliche dafür, dass sich etwas bewegt. Das Patriarchat fällt nicht von allein. Aber es bröckelt, wenn man nicht mehr mitmacht. Wenn man aufhört, jede Veränderung zu kommentieren, und stattdessen anfängt, sie durchzusetzen.
Denn am Ende ist die Frage nicht, ob Frauen in der Küche „mitkönnen“. Die richtige Frage lautet: Wie lange wollen wir es uns noch leisten, auf sie zu verzichten?