Die große Rochade: Diese Rolle spielt René Redzepi im “noma 3.0”
Eigentlich sollte das noma längst etwas anderes werden als ein Restaurant. Ein Labor. Eine Marke. Ein globales Ideenimperium mit Fermenten, Pop-ups und Produkten. Jetzt passiert ausgerechnet das, womit viele kaum noch gerechnet haben: Das berühmteste Restaurant der vergangenen 20 Jahre sperrt wieder in Kopenhagen auf. Warum jetzt? Warum so früh? Und wie viel René Redzepi steckt künftig noch im noma?

Eigentlich sollte das noma längst etwas anderes werden als ein Restaurant. Ein Labor. Eine Marke. Ein globales Ideenimperium mit Fermenten, Pop-ups und Produkten. Jetzt passiert ausgerechnet das, womit viele kaum noch gerechnet haben: Das berühmteste Restaurant der vergangenen 20 Jahre sperrt wieder in Kopenhagen auf. Warum jetzt? Warum so früh? Und wie viel René Redzepi steckt künftig noch im noma?

Der 5. August 2026 dürfte in Kopenhagen für volle Tische sorgen – und für eine Menge hochgezogener Augenbrauen.
An diesem Tag öffnet das noma wieder an der Refshalevej. Die Rückkehr kommt schneller als erwartet. Anfang 2026 hatte das noma den regulären Betrieb in Kopenhagen pausiert, um sich stärker auf internationale Residencies, Forschungsarbeit und Noma Projects zu konzentrieren. Die Reservierungen für den neuen Zeitraum von August bis Oktober gehen am 24. Juni über den noma-Newsletter online.
Aus dem bisherigen Saisonen-Modell wird ein noch enger getakteter Rhythmus: zwölf “Micro Seasons” geben das Tempo an. Die Küche soll noch näher an jenen kurzen Momenten arbeiten, in denen Zutaten rund um Kopenhagen auftauchen, reifen und wieder verschwinden.
Diese Neukonzeption ist auch ein strategischer Reset. Denn René Redzepi steht nicht mehr dort, wo er über zwei Jahrzehnte stand. Er bleibt Gründer und Creative Director, das tägliche operative Geschäft liegt künftig bei einem neuen Führungsteam. Annika de Las Heras übernimmt als CEO. Pablo Soto führt die Küche als Executive Head Chef. Mette Brink Søberg prägt als Head of R&D die Forschungsarbeit.
Aus der großen Redzepi-Erzählung soll ein breiteres System werden. Ein Restaurant, das weiter von seiner Handschrift lebt und zugleich beweisen muss, dass es mehr ist als die Energie einer einzelnen Figur. Genau das macht diese Wiedereröffnung so brisant.
Denn der Neustart kommt nach Monaten, die auch für noma-Verhältnisse turbulent waren. Die Los-Angeles-Residency auf dem Paramour Estate war ausverkauft, kostete rund 1.500 Dollar pro Gast und wurde von Protesten begleitet. Ehemalige Mitarbeiter warfen Redzepi in internationalen Medien problematisches Führungsverhalten vor. Der frühere Fermentation-Lab-Mitarbeiter Jason Ignacio White wurde zu einer der lautesten Stimmen der Kampagne. Sponsoren zogen sich zurück. Redzepi entschuldigte sich öffentlich und gab im März bekannt, sich aus den Day-to-day-Operations zurückzuziehen.

Das noma reagierte mit einer Workplace Transparency Review und verweist auf Reformen im Betrieb: bezahlte Praktika, neue HR-Strukturen, verbesserte Abläufe bei Arbeitszeiten und Führungstrainings. Die Botschaft dahinter: Das noma von heute soll anders geführt werden als das noma, über das ehemalige Mitarbeiter sprechen.
Das Comeback in Kopenhagen ist ein Stresstest für eine Marke, die ihren eigenen Abschied bereits als Mythos verkauft hatte. Das noma wollte sich vom klassischen Restaurant lösen. Jetzt kehrt es ausgerechnet dorthin zurück, wo seine Kraft am sichtbarsten ist: in den Dining Room.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an