Slow Food verliert seinen großen Vordenker Carlo Petrini

Er machte aus Genuss eine Haltung – und aus einem Protest gegen Fast Food eine weltweite Bewegung. Carlo Petrini ist im Alter von 76 Jahren verstorben.
Mai 26, 2026 | Text: Redaktion | Fotos: Marcello Marengo

Am späten Abend des 21. Mai 2026 ist Carlo Petrini in seinem Haus in Bra im Piemont verstorben. Der Gründer von Slow Food wurde 76 Jahre alt. Mit ihm verliert die internationale Gastronomie nicht nur einen Aktivisten, Autor und Intellektuellen, sondern einen Mann, der das Nachdenken über Essen radikal verändert hat.

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Am späten Abend des 21. Mai 2026 ist Carlo Petrini in seinem Haus in Bra im Piemont verstorben. Der Gründer von Slow Food wurde 76 Jahre alt. Mit ihm verliert die internationale Gastronomie nicht nur einen Aktivisten, Autor und Intellektuellen, sondern einen Mann, der das Nachdenken über Essen radikal verändert hat.

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Petrini gründete Slow Food 1986 – als Gegenentwurf zur immer schneller, austauschbarer und industrieller werdenden Esskultur. Was als Protest gegen Fast Food begann, wurde zu einer globalen Bewegung für Lebensmittel, die „gut, sauber und fair“ sein sollen. Heute ist Slow Food in mehr als 160 Ländern aktiv und vernetzt Produzenten, Köche, Bauern, Fischer, Wissenschaftler und Konsumenten.

Doch Petrinis Einfluss reichte weit über die Slow-Food-Schnecke hinaus. Aus seiner Vision entstanden unter anderem das internationale Netzwerk Terra Madre sowie die Universität der Gastronomischen Wissenschaften in Pollenzo, die 2004 gegründet wurde und bis heute eine der wichtigsten Denkstätten für Ernährung, Biodiversität und nachhaltige Food-Systeme ist.

Für Petrini transzendierte Essen den Status als bloßes Produkt. Es war Kultur, Politik, Landwirtschaft, Identität – und immer auch Beziehung: zwischen Mensch und Natur, Stadt und Land, Produzenten und Gästen. Er hat Begriffe wie Regionalität, Biodiversität, Produzentenstolz und nachhaltige Landwirtschaft unermüdlich verteidigt.

„Wer Utopie sät, erntet Realität“, pflegte Petrini zu sagen. Er baute Strukturen, gründete Netzwerke, brachte Menschen zusammen und zwang eine Branche dazu, sich unbequeme Fragen zu stellen: Woher kommt unser Essen? Wer bezahlt den wahren Preis? Und was verlieren wir, wenn Geschmack nur noch Effizienz bedeutet?

Auch politisch und gesellschaftlich blieb Petrini eine gewichtige Stimme. 2017 war er Mitbegründer der Gemeinschaften „Laudato si’“, inspiriert von der gleichnamigen Enzyklika von Papst Franziskus. Die FAO würdigte Petrini als ehemaligen Zero-Hunger-Sonderbotschafter für Europa und als prägenden Denker für Ernährung, Kultur, Biodiversität und nachhaltige Lebensmittelsysteme.

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