Mehr Würmer im Sushi-Fisch? Warum das eine gute Nachricht ist
Eine aktuelle Auswertung der University of Washington gibt uns aufschlussreiche Einblicke in die Gesundheit der Ozeane. Dafür haben Forscher:innen auf eine ungewöhnliche Datenquelle zurückgegriffen: Das Team rund um Natalie Mastick öffnete insgesamt 178 alte Lachsdosen.

Eine aktuelle Auswertung der University of Washington gibt uns aufschlussreiche Einblicke in die Gesundheit der Ozeane. Dafür haben Forscher:innen auf eine ungewöhnliche Datenquelle zurückgegriffen: Das Team rund um Natalie Mastick öffnete insgesamt 178 alte Lachsdosen.

Die Fische stammten aus dem Golf von Alaska und der Bristol Bay und deckten einen Zeitraum von 42 Jahren ab – von 1979 bis 2021. In den konservierten Filets suchten die Wissenschaftler nach sogenannten Anisakiden, also winzigen parasitären Fadenwürmern, die auch als „Sushi-Würmer“ oder „Sushi-Parasiten“ bekannt sind. Das Ergebnis: In Pink Salmon und Chum Salmon nahmen die Parasiten über die Jahrzehnte zu, bei Coho und Sockeye blieben die Werte stabil.
Und jetzt kommt der Twist: Genau diese Zunahme kann laut den Forschern ein Hinweis auf ein stabileres oder sich erholendes marines Ökosystem sein. Denn Anisakiden brauchen für ihren Lebenszyklus mehrere Stationen in der Nahrungskette – von kleinen Meerestieren wie Krill über Fische bis hin zu Meeressäugern, in deren Darm sie sich vermehren. Fehlt ein Glied dieser Kette, bricht auch der Zyklus der Parasiten ein. Mehr dieser Würmer kann also bedeuten: mehr intakte Nahrungskette, mehr passende Wirte, mehr Leben im System.
Eine mögliche Erklärung sehen die Forscher unter anderem in der Erholung von Robben, Seelöwen, Orcas und anderen Meeressäugern, die in den USA seit dem Marine Mammal Protection Act von 1972 besser geschützt sind. Auch wärmere Ozeane oder Verbesserungen der Wasserqualität könnten eine Rolle spielen – endgültig geklärt ist das aber nicht.
Sind die Sushi-Würmer gefährlich?
In gegartem oder konserviertem Fisch sind die Parasiten tot und laut den Forschern kaum ein Risiko. Problematisch können Anisakiden nur werden, wenn sie lebend über rohen oder nicht ausreichend behandelten Fisch aufgenommen werden. Dann können sie Beschwerden auslösen, die einer Lebensmittelvergiftung ähneln, in seltenen Fällen auch Anisakiasis.
Für die Gastronomie ist die Studie trotzdem spannend. Weil sie zeigt, wie komplex die Wahrheit hinter einem Produkt sein kann. Ein Parasit ist nicht automatisch ein Zeichen für verdorbene Ware oder kollabierende Meere. Manchmal ist er das Gegenteil: ein ziemlich kleiner, ziemlich unappetitlicher, aber wissenschaftlich wertvoller Hinweis darauf, dass ein Ökosystem wieder funktioniert.