So kreativ reagieren Spitzen-Bars auf die Corona-Krise

Die Stammgäste helfen mit Programmieren und Social Media, Barkeeperstar Kan Zuo liefert die Idee und Moët Hennessy die Plattform. Dann stellen Oltion Mehmetaj und Flamur Bajgora für ihre Churchill Bar in Graz innerhalb von nur 48 Stunden einen Cocktail-Lieferservice auf die Beine. Ein Paradebeispiel aus dem Corona-Krisen-Management:
April 3, 2020 | Fotos: Sarah Schmid,

Not macht erfinderisch – zum Glück! Denn der neue Cocktail-Lieferservice der Grazer Churchill Bar wird die Corona-Krise erstens erträglicher machen und zweitens: Er wird sie vermutlich auch überdauern. Das Barkeeper-Unternehmerduo Oltion Mehmetaj und Flamur Bajgora sind damit die zweiten in Östereich, die ihre Drinks zustellen.

The Churchill Bar, Cocktail-Lieferservice, Corona-Krise
Die Churchill Bar hat jetzt einen Cocktail-Lieferdienst. Das scheint eine Corona-Marktlücke gewesen zu sein: Denn der Bedarf der Grazer ist hoch! 

Die Initialzündung lieferte nämlich der Wiener Mixology-Star Kan Zuo, der das Konzept des Cocktail-Delivery-Services bereits seit längerem im Auge hat. In seiner The Sign Bar in Wien startete der Zustelldienst bereits Mitte März. Dass sich die Grazer ihm sofort angeschlossen haben und österreichweit Interesse in der Branche besteht, bewegte Moët Hennessy dazu, nun auch eine eigene Plattform zu starten.

Wie das neue Modell funktioniert und wie es ankommt? Wir haben bei Churchill-Chef Oltion Mehmetaj nachgefragt.

Churchill-Chef Oltion Mehmetaj im Interview

Oltion, wie seid ihr auf die Idee gekommen, Cocktails per Lieferservice zu verschicken?
Oltion Mehmetaj: Wir haben ja eine Barkeeper-Community. Das Ganze ist von Moet Hennesy organisiert. Wir tauschen uns untereinander aus. Der Erster in Österreich war Kan Zuo von der The Shine Bar. Kan war derjenige, der die Idee hatte, das zu starten. Wir wollten das schon vor langer Zeit mit Flaschen machen – aber nicht so schnell. Jetzt ging alles von heute auf morgen.

Wie aufwändig ist es, eine Cocktail-Bestellung zu verpacken und zu versenden?
Mehmetaj: Das Problem bei uns am Anfang war es, alles zu besorgen und zu ettiketieren. Den organisatorischen Ablauf, etwas zuzustellen, kannten wir ja nicht. Auch unser Arbeitsalltag ist ganz ein anderer. Aber Flamur Bajgora, mein Geschäftspartner, und ich haben das zwei Tage lang ausprobiert. Innerhalb von 48 Stunden haben wir es geschafft, das auf die Beine zu stellen. Und dann war die Frage, wie wir das zum Gast bringen. Wir hatten ja nur eine ganz normale Homepage und sonst nichts. Aber dank Gästen, die uns freiwillig und ohne Bezahlung geholfen haben, haben wir jetzt eine schöne Präsenz. Das waren ein Programmierer und Sara Schmid, die Social Media und Fotos macht. Auch Moet Hennesy war eine große Hilfe. Sie haben uns eine Online-Plattform zur Verfügung gestellt.

Wie wird euer Lieferservice bis jetzt angenommen?
Mehmetaj: Ehrlich gesagt haben wir, als wir damit angefangen haben, überhaupt nicht damit gerechnet, dass es so gut gehen wird. Wir haben damit angefangen, damit wir nicht nur zuhause rumsitzen und warten, bis was passiert. Unsere Idee war: Selbst wenn wir keinen Gewinn machen, zahlt es sich wegen der Werbung aus. Und wir haben eine Beschäftigung.

Also läuft es überraschend gut?
Mehmetaj: Wir haben aber schon in den ersten zwei bis drei Tagen gesehen, dass es sehr gut angenommen wird. Die Leute sind sehr neugierig. Wir wissen, dass wir damit nicht den gesamten Umsatz ersetzen können. Aber selbst wenn es nur 50 Prozent sind, ist das ein Erfolg. Wir versuchen, aus der schwierigen Zeit das Beste zu machen. Und es ist auch eine Herausforderung, die Spaß macht. Man freut sich wie ein kleines Kind über jede Bestellung, die reinkommt. Mir ist auch aufgefallen, dass die Leute sehr positiv reagieren. Anfangs gab es Schwierigkeiten und Lieferverzögerungen – und die Gäste haben sich nicht beschwert, sondern waren dankbar, dass sie die Möglichkeit jetzt haben.

Zum Abschluss: Welcher Drink wird bei euch am häufigsten bestellt?
Mehmetaj: Der Pornstar Martini. Sex Sells!

Churchill Bar, Corona-Krise, Cocktail-Lieferservice
Das Cocktailduo Infernale: die Churchill-Chefs Oltion Mehmetaj und Flamur Bajgora.

Cocktails für alle – trotz Ausgangssperre

Die Plattform, von der Oltion Mehmetaj spricht, heißt drinks-at-home.at. Sie soll ein gemeinsamer Online-Shop für Österreichs Bars entstehen, über den die Kunden – bequem von zu Hause aus – ihre Lieblings-Drinks bestellen können. Auch Barkeeper-Star Kan Zuo nutzt sie.

„Weltweit steht das Konzept des Cocktail-Delivery-Services bereits seit längerem hoch im Kurs“, erzählt Zuo. „Mittels Vakuumisierung werden die Aromen der einzelnen Zutaten optimal erhalten, sodass alle Cocktails auch zu Hause genau so wie in der Lieblingsbar schmecken. Auch unsere Cocktail-Zutaten werden vakuumisiert geliefert, wodurch selbstverständlich höchste Hygienestandards eingehalten sowie ein tolles Geschmackserlebnis garantiert werden können. Zu jedem Drink gibt es noch Knabbergebäck, Eis und ein Teelicht – für einen romantischen Abend zu Hause.“

Damit der Drink auch den „Perfect Serve“ bekommt, ist eine grafisch gestaltete Anleitungskarte im Paket mit dabei. Alle Drinks von der The Sign Cocktail Lounge sind extra so konzipiert und verpackt worden, dass sie auch zu Hause bis zu einer Woche haltbar sind. Das Einzige, was man bereit halten muss: Gläser.

Drink-Delivery-Service De Luxe

Inspiriert und begeistert von der Idee wurde intensiv nach Möglichkeiten gesucht, um auch für andere Bars in Österreich, die ihre Drinks weiterhin anbieten möchten, eine Lösung zu finden. Aus diesem Grund hat Moët Hennessy eine Online-Plattform ins Leben gerufen, um Bars mit Know-How und Ressourcen unterstützen zu können. Neben Kan Zuo und seiner The Sign Lounge bietet eine Vielzahl an Mixology-Institutionen in ganz Österreich einen Cocktail-Lieferservice über die neu geschaffene Plattform an.

Cocktail-Afficionados können so aus einer vielfältigen Karte auswählen. Neben Klassikern wurden auch neue Drinks entwickelt, die sich für den Delivery-Service perfekt eignen und somit ihre Premiere feiern.

Porno-Martini, Wermut-Mix und Urlaubsfeeling

Die American Bar Nightfly’s bietet eine besondere Kreation mit dem Namen „Martinez“ an – ein spannender, in dunklem Rot gehaltener Drink basierend auf Ardbeg Ten, Gin, Maraschino und Aromatic Bitters und süßem Wermut.

Die Matiki Bar bietet Sommer-, Sonne- und Strand-Feeling mit Drinks wie dem „Le mal de pays“, der aus Hennessy V.S., Ruby Port, Zitrone, Ananas und Angostura Bitters besteht. Für das echte Urlaubsfeeling zu Hause gibt’s im Liefer-Package auch eine Blumenkette.

Churchill Bar, Cocktail-Lieferservice, Corona-Krise
Die Churchill Bar aus Graz setzt etwa auf einen ihrer beliebtesten Klassiker, den „Pornstar Martini“, der mit Belvedere Pure Vodka, Passionsfrucht, Vanille, Zitrone geshaked und mit Champagner verfeinert wird.

Derzeit sind Bars aus Wien und Graz mit dabei, laut Aussage von Moët Hennessy sollen in naher Zukunft allerdings Bars aus weiteren Bundesländern hinzukommen, um ein österreichweites Angebot auf der Plattform präsentieren zu können.

www.thechurchill.at

www.thesignlounge.at

drinks-at-home.at

 

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